Ein neuer massiver Schlag trifft die deutsche Finanzszene. In einer koordinierten Aktion wurden 30 Objekte der beiden Gesellschaften Infinus AG sowie deren Muttergesellschaft Future Business KGaA und diverser Töchter in der gesamten Republik durchsucht. 6 Verantwortliche wurden laut Onlinedienst „Fonds Online professionell“ in Haft genommen. Die Future Business KGaA hatte Orderschuldverschreibungen und Genusscheine herausgegeben, die zum Teil 2-stellige Verzinsung aufwiesen und mit großenteils kurzen Laufzeiten aufwarteten. Vertrieben wurden die Schuldverschreibungen und Genussrechte passender Weise über die Tochter „Infinus AG – Ihr Kompetenz Partner“, die insoweit auch erhebliche Provisionseinnahmen erzielte. Diese gingen dann wieder in die Konzernbilanz ein.

Zunächst ließ sich alles durchaus gut an. Die Muttergesellschaft Future Business KGaA verfügt über ein ansehnliches Aktienkapital von mehr als 25 Mio. EUR – also kein Grund zur Sorge, sollte man meinen, zumal die ausgegebenen Papiere in der Vergangenheit stets anstandslos bedient wurden. Von insgesamt fast 1,9 Mrd. EUR sind schließlich etwa 1.100 Mio. EUR an die Anleger wieder zurückgeflossen. Ohne dass man je etwas hörte.

Natürlich fehlt es in solchen Fällen auch nicht an einem entsprechenden Rating für die Kreditwürdigkeit, für das vorliegend der „Hoppenstedt CreditCheck“ .herhielt. Von 2011 bis 2013 gab es Top – Bonitätsnoten. Offensichtlich nicht zu recht.

Bilanztricks für den Cash-flow?

Maßstab für die Sicherheit und Bonität eines derartigen Schuldners ist die Frage, ob die Verzinsung sowie Rückstellungen für die Tilgung aus dem operativen Cash Flow finanziert werden können. Das schien auch hier so zu sein. Schließlich wurden Umsätze als so genanntes „Haftungsdach“ für Finanzdienstleister erzielt (sog. „blaue Infinus AG“), auch eine Fortbildungsakademie wurde betrieben, mit der Vermittlung von Kapitalanlagen erzielte man Provisionseinnahmen, durch die „rote Infinus AG“, den Kompetenzpartner. Provisionseinnahmen übrigens auch und gerade für die Vermittlung von Goldsparplänen, die die Future Business KGaA auflegte.

Schließlich wurden in der Future-Business-Gruppe „gebrauchte“ Lebensversicherungen angekauft und bis zum Laufzeitende weiter finanziert. Daneben gab es Immobilien-Investments, vor allem im Dresdner Raum und seit 2011 auch Edelmetallanlagen. Schließlich beteiligte man sich noch an diversen anderen Finanzdienstleistern, alles Aktivitäten, die den Anschein eines florierenden Geschäftsbetriebs erweckten.

Finanziert wurde dies alles mit den emittierten Schuldverschreibungen und Genußrechten, die bislang auch anstandslos bedient wurden. Dass sich am Ende gleichwohl eine erhebliche Lücke auftat, kann möglicherweise mit der nicht marktgerechten Verzinsung erklärt werden. In jedem Falle gab es Bedarf für kreative Buchführung. Dies muss so ausgesehen haben, dass die Future Business unter Einschaltung eines Salzburger Unternehmens, des Edelmetallhändlers Terra Premium, dessen Verantwortliche ebenfalls zu den Beschuldigen zählen, Beteiligungen an Goldsparplänen, die man selbst emittierte, gezeichnet hatte. Der Löwenanteil der dafür anfallenden Provisionen, bestehend aus dem 7-prozentigen Agio und einem 5-prozentigen „Kleinmengenzuschlag“ sei, soll der Branchendiensten Fonds Online professionell, der Infinus AG zugeflossen sein. Die terra Premium soll von den 12% nur 0,1 % behalten haben, der Rest wurde durchgeschleust. Die Empfängerin Infinus AG wiederum verbuchte Provisionseinnahmen, die Rede ist von bis zu 80 Millionen EUR, die nicht nur in den operativen Cash-Flow eingingen, sondern auch aus einer Unterdeckung ein Plus machten.

Gegenüber dem Branchendienst erklärten die Verantwortlichen, dass es sich um ein ganz übliches Geschäft handelt. Hätte man dieses nicht getätigt, hätte man andere getätigt. Das hat wohl auch die Staatsanwaltschaft nicht geglaubt, der es möglicherweise komisch vorkam, dass bei dem Umfang des Geschäfts auch noch „Kleinmengenzuschläge“ berechnet worden sein sollen, wie Fonds Online Professionell zu berichten weiß.

Im Raum steht der Betrugsvorwurf, da die noch ausstehenden Schuldverschreibungen und Genussrechte von etwa 630 Millionen EUR natürlich bei zutreffender Bonitätsbewertung erheblich risikobehafteter wären, als dargestellt. Es könnte also sein, dass sich die Anleger durchaus zu Recht sorgen. Unklar ist, was passieren wird, wenn die etwa zwei Drittel der Anleger, deren Restlaufzeit unter einem Jahr liegt, ihre Mittel selbst unter Wahrung ihrer vertraglichen Verpflichtungen abziehen. Dabei ist zu berücksichtigen, dass auch die anderen Anleger, denen die ordentliche Kündigung versagt ist, bei einer solchen Konstellation mit großer Wahrscheinlichkeit auf ein außerordentliches Kündigungsrecht pochen können. Wie glaubwürdig die Beteuerungen der Verantwortlichen von Infinus und Future Business sind, dies könne man ohne weiteres stemmen, ist natürlich die Frage aller Fragen. Man darf unterstellen, dass ein derart gewagtes Manöver nicht ohne Grund erfolgt ist, die Geschäfte also nicht so gut laufen, wie man das gerne hätte.

Für die Zeichner hoch verzinslicher Schuldverschreibungen und Anleihen steht also die nächste Prüfung möglicherweise unmittelbar bevor. Parallel soll es ja auch beim Großemittenten Prokon regenerative Energien GmbH kräftig kriseln. Auch dort sollen die Zinsen aus dem operativen Geschäft nicht erwirtschaftet werden, auch da man hilft sich mit etwas Kreativität in der Bilanzierung.

Wie lange so etwas gut geht, muss durchaus als offen bezeichnet werden. Wenn Sie in diesen Fragen Beratung brauchen, wenden Sie sich gerne an Rechtsanwälte Lachmair & Kollegen.

Rechtsanwälte Wilhelm Lachmair & Kollegen
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